BOYS BOYS BOYS

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In Hamburg gibt es seit 2009 den Concept-Store BOYS BOYS BOYS am Neuen Kamp, der sich durch Inszenierung und Sortiment von anderen Läden in Hamburg abhebt. Das Sortiment umfasst Marken, die in Hamburg einmalig sind. Momentan führt BOYS BOYS BOYS Labels wie April 77, Patrick Mohr, Henrik Vibskov und DRKSHDW by Rick Owens. Und auch ein Hauslabel, BOYS BOYS BOYS, gibt es, das weiter ausgebaut werden soll. Hierzu gehören unter anderem die besonders in Hamburg verbreiteten Taschen mit dem großen BOYS BOYS BOYS Aufdruck.

Ich habe mit dem Gründer und Besitzer Yves Hanke über seinen Weg in die Selbstständigkeit gesprochen. Auch seine liebsten Concept-Stores hat er mir verraten.

Midia Kommst du aus Hamburg?
Yves Nein, geboren bin ich in Dresden, aufgewachsen am Chiemsee, südlich von München und seit zehn Jahren bin ich in Hamburg.

Midia Und was hat dich nach Hamburg verschlagen?
Yves Der Zufall… Ich hatte mein Auto gepackt und wollte nach Berlin, um dann doch in Hamburg zu landen.

Midia Was hast du studiert oder gelernt?
Yves Nach einer Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel folgte ein abgebrochenes Schauspielstudium. Danach habe ich ein, zwei Jahre als freier Schauspieler gearbeitet. Dann war ich stellvertretender Filialmanager bei American Apparel und habe an Storeeröffnungen von American Apparel im Ausland mitgearbeitet.

Midia Weißt du noch, wann Mode angefangen hat eine wichtige Rolle in deinem Leben zu spielen?
Yves Mode oder Kleidung war mir wichtig seit ich denken kann, allerdings nicht bezogen auf die Oberflächlichkeit und Schnelllebigkeit, die oft damit einher geht.
Über unser Äußeres findet jeder erste Kontakt statt, es ist das Erste was beim Gegenüber wahrgenommen wird. Bei mir war Kleidung immer mehr ein Ausdruck momentaner Stimmung und Empfindens. Ich habe Mode nie als Uniformierung benutzt um einer Gruppe zugehörig zu sein und das hat sich bis jetzt nicht geändert. Ich interessiere mich auch nicht unbedingt ausschließlich für Mode sondern eher für Bekleidung als solche. Mode ist gefährlich, und schnell sieht man unvorteilhaft aus, obwohl man den angesagtesten heißen Scheiß trägt, viel wichtiger ist es seinen Stil zu finden, sich auszuprobieren, und Kleidung als Mittel zu nutzen um seine Persönlichkeit zu unterstreichen, sich abzuheben und sich sicher zu fühlen.

Midia Hast du einen Lieblingsladen?
Yves Die “Mutter des Concept-Stores” Colette in Paris ist auf jeden Fall einer meiner Favoriten, obwohl sich dort leider mittlerweile, meiner Meinung nach, zu sehr dem Mainstream geöffnet wurde. Es gibt fast nur etablierte und oder extrem hochpreisige Marken.
Ich mag Läden mit Aussage, egal in welcher Ausrichtung. Ich finde es wichtig, dass Herzblut und Leidenschaft zur Sache bemerkbar sind. Falls beim Interieur beispielsweise auch nur ein Stück von Ikea kommt drehe ich auf dem Absatz um und verlasse den Laden, ich will verführt, beeindruckt, oder überrascht werden. Wichtig ist mit, dass kompetente Mitarbeiter zur Seite stehen die eine Meinung haben. In Hamburg bin ich immer wieder gerne bei Herr von Eden, Liebe bis ins letzte Detail, keine Massenware wie tausendfach woanders gesehen, man taucht in eine andere Welt ein, das finde ich toll. Als Geheimtipp empfehle ich den Wok Store in Mailand.

Midia Wie und wann kam dir die Idee einen eigenen Laden zu eröffnen?
Yves Ich hegte den Wunsch schon seit einiger Zeit, gerade weil ich mir auch schwer
vorstellen konnte in einem anderen Einzelhandelsgeschäft zu arbeiten, weil ich das meiste zu lieblos, belanglos, zu wenig einzigartig fand. Konkret habe ich mich vor fast zwei Jahren dazu entschieden den eigenen Laden in Angriff zu nehmen. Durch American Apparel und ein kurzes Intermezzo bei Urban Outfitters hatte ich mir genug Wissen angeeignet und ich hatte auch sonst das Gefühl, dass der richtige Zeitpunkt gekommen war.

Midia Wie hast du dich auf deine Zeit als Ladenbesitzer vorbereitet?
Yves Ich habe exzessiv im Internet recherchiert, mich von anderen Ladenbesitzern beraten lassen und habe auch die Angebote der Handelskammer Hamburg in Anspruch genommen, die ich übrigens ausdrücklich als Informationsquelle empfehlen möchte. Ich habe viel Fachliteratur gelesen und verschiedene Ideen und Konzepte zu Papier gebracht und durchgespielt.

Midia Was ist das Konzept von Boys Boys Boys?
Yves BOYS BOYS BOYS ist exklusiv, ohne elitär zu sein, die Produkte sind in Hamburg sonst nirgends zu finden, oft auch in ganz Deutschland nicht. Wir wollen zeigen, was für einen Laden alles möglich ist, unbekannte Labels präsentieren und junge Designer unterstützen. BOYS BOYS BOYS ist sexy, modern und speziell.

Midia Was lief besonders gut oder besonders schlecht auf deinem Weg in die Selbstständigkeit?
Yves Ich bin ein positiver Mensch. Ich blicke nach vorne, und mache ich Fehler, versuche ich daraus zu lernen und nicht zu jammern. Mein Weg in die Selbstständigkeit war ein tolles, spannendes Abenteuer und das ist es auch immer noch. Ich habe einen Weg gefunden, meine Kreativität auszuleben und trotzdem eine feste Basis zu haben. Schlecht lief bisher gar nichts. Klar gab es Rückschläge, aber da sehe ich nichts Schlechtes bei, denn das gehört meiner Meinung nach auch dazu.

Midia Was rätst du anderen, die sich selbstständig machen wollen?
Yves Selbständig sein unterscheidet sich komplett vom regulären Angestelltenverhältnis. Ich bin 24/7 bei der Sache, sammle Informationen, mache Pläne, überlege und rede mit Leuten. Allerdings fühlt es sich für mich nicht wie Arbeit an, auch nicht nach 15-Stunden-Tagen, die keine Seltenheit sind. Ich halte es da wie Karl Lagerfeld: “Was ich mache, ist Freizeitgestaltung mit beruflichem Hintergrund.”
Man sollte sich nicht selbständig machen wenn man nicht weiß was man sonst tun soll, sondern weil man es unbedingt möchte und weiß, man kann eine Sache gut oder besser als andere oder hat die zündende Idee. Alles, Motivation, Ideen, Umsetzung, Geld und Durchhaltevermögen kommt von einem selber. Ich habe das Glück, gute Freunde zu haben die mich den ganzen Weg über begleitet haben, Feedback gaben, mir helfen wo sie können oder auch mal Kritik üben. Das ist total wichtig und gibt Kraft.

Midia Was für Pläne hast du für die Zukunft von Boys Boys Boys?
Yves Ich möchte Boys Boys Boys als Institution in Hamburg etablieren, als Shop, der inspiriert, modern ist, einen Ort an dem man gerne kauft oder auch einfach nur so aufsucht um zu gucken was neu ist oder um in den Magazinen, die einen großen Teil des Sortiments ausmachen, zu blättern. Boys Boys Boys soll wachsen. Es gibt so viele tolle Labels und Produkte aber den nötigen Platz um alles zu zeigen gibt der jetzige Laden nicht her. Auch das Label Boys Boys Boys soll wachsen ohne einem Kollektionsrhythmus zu unterliegen. Ich arbeite lieber projektbezogen und so möchte ich es auch bei Boys Boys Boys halten.

Die Models auf den Bildern sind Eugen und Hauke von der Hamburger Agentur The Special, und die Fotos hat Georg Schmid gemacht.

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